Warum Wespen im Spätsommer aggressiv werden (und wie Sie draußen in Ruhe essen)

Sunlit garden table on a late-summer afternoon with a covered cake dome, a bowl of ripe plums and apples and lidded glasses of lemonade

Das Wichtigste in Kürze

  • Wespen sind im Spätsommer nicht wütender – sie sind arbeitslos. Sobald die Königin die Eiablage einstellt, fehlt den Arbeiterinnen das zuckerhaltige Sekret, mit dem die Larven sie belohnt haben, und sie suchen Ihre Marmelade, Ihren Kuchen und Ihr Bier.
  • Das Volk erreicht seine größte Stärke genau dann, wenn die eigene Nahrungsquelle versiegt. Deshalb fühlen sich Wespen im August und September wie eine Invasion an.
  • Zuschlagen ist die schlechteste Reaktion: Eine zerdrückte oder in die Enge getriebene Wespe setzt ein Alarmpheromon frei, das Nestgenossinnen herbeiruft.
  • Trinken Sie draußen nie aus einer offenen Dose – ein Wespenstich im Mund oder Rachen ist ein medizinischer Notfall.
  • Kein Repellent für die Haut, ob pflanzlich oder synthetisch, hält nachweislich Wespen fern; geprüft werden diese Mittel gegen stechende Insekten wie Mücken und Zecken.

Im Juni nehmen Sie Wespen kaum wahr. Ende August können Sie kein Stück Zwetschgenkuchen mehr auf den Gartentisch stellen, ohne dass drei davon darauf landen. Da liegt der Gedanke nahe, die Wespen seien bösartig geworden – verändert hat sich aber die Biologie des Volkes. Wer das versteht, isst im Freien wieder in Ruhe, und zwar dank ein paar Gewohnheiten statt dank Glück.

Der Kalender des Wespenvolks: warum der Spätsommer alles verändert

Die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe (Vespula vulgaris und Vespula germanica) bilden ein einjähriges Volk. Eine Königin gründet es im Frühjahr, und den ganzen Frühsommer über haben die Arbeiterinnen vor allem eine Aufgabe: Raupen, Fliegen und andere Insekten erbeuten, um die Larven zu füttern. Im Gegenzug geben die Larven eine zuckerreiche Flüssigkeit ab, von der die erwachsenen Arbeiterinnen leben. Eiweiß hinein, Kohlenhydrat heraus – und die Arbeiterinnen haben kaum Anlass, Sie zu stören.

Im Spätsommer bricht diese Wirtschaft zusammen. Die Königin bringt Jungköniginnen und Männchen hervor und stellt dann die Eiablage ein. Die letzten Larven verpuppen sich, die Zuckerquelle versiegt – und ein Volk aus mehreren tausend Arbeiterinnen hat nichts mehr zu tun und nichts Süßes mehr zu fressen. Die Tiere schwärmen aus und suchen Kohlenhydrate, wo immer es welche gibt: Fallobst, Efeublüten, Mülltonnen, Eis, Limonade und Ihren Tisch.

Die Wespen an Ihrem Picknicktisch verteidigen also nichts und haben es nicht auf Sie abgesehen. Es sind Sammlerinnen am Ende eines Lebenszyklus, die mit Ihnen um Zucker konkurrieren – und anders als im Juni sind es enorm viele.

Werden Wespen im Spätsommer wirklich aggressiver?

Vor allem werden sie dreister und hartnäckiger, und genau das wirkt wie Aggression. Zwei Dinge erhöhen tatsächlich das Stichrisiko. Erstens Menge und Nähe: Je mehr Wespen auf Essen, Händen und Gläsern sitzen, desto größer die Gefahr, eine davon versehentlich gegen Haut oder Lippen zu drücken. Zweitens vergärt Fallobst, und Wespen, die darin fressen, nehmen Alkohol auf. Das macht sie offenbar unbeholfener und weniger geneigt, bei einer Störung wegzufliegen.

Frühsommer und Spätsommer im Vergleich: was Wespen wirklich wollen

Mai – Juli August – Oktober
Was das Volk braucht Eiweiß für die Larven Kohlenhydrate für die erwachsenen Arbeiterinnen
Wo Sie Wespen begegnen An Fleisch, Fisch, Tierfutter, am Grill An süßen Getränken, Kuchen, Obst, Mülltonnen, Eis
Zahl der Arbeiterinnen Steigend, noch überschaubar Auf dem Jahreshöhepunkt
Typische Stichsituation Ein Nest beim Rasenmähen oder Heckenschneiden stören Eine Wespe an der Haut, im Getränk oder auf dem Essen einklemmen
Was am meisten hilft Wissen, wo Nester sind, und sie in Ruhe lassen Essen und Getränke abdecken, ruhige Bewegungen, aufgeräumter Tisch

Warum Zuschlagen das Schlimmste ist, was Sie tun können

Staatenbildende Wespen verständigen sich chemisch. Eine Wespe, die zerdrückt, gequetscht oder stark erschreckt wird, setzt ein Alarmpheromon frei, das die Nestgenossinnen in der Nähe zur Verteidigung auffordert – das Letzte, was Sie an einem Tisch voller weiterer Wespen gebrauchen können. Hektische Armbewegungen und Pusten (das Kohlendioxid im Atem wirkt wie eine Bedrohung) haben denselben Effekt in kleinerem Maßstab.

  • Bleiben Sie ruhig sitzen oder gehen Sie langsam weg. Eine sammelnde Wespe verliert binnen Sekunden das Interesse an einem Menschen.
  • Landet eine auf der Haut, lassen Sie sie laufen oder streifen Sie sie sanft mit einem Blatt Papier ab.
  • Besprechen Sie das vorher mit Kindern; Panik und Umsichschlagen sind die häufigste Ursache für Stiche bei Kindern.
  • Verschließen, besprühen oder stochern Sie niemals selbst am Nesteingang – die Entfernung eines Nests gehört in fachkundige Hände.

Wespen beim Essen vertreiben: die praktische Tischordnung

  1. Alles abgedeckt lassen, bis gegessen wird. Speisehauben, Glocken oder ein Geschirrtuch über den Schüsseln machen den Tisch aus der Luft deutlich uninteressanter.
  2. Keine offenen Dosen und Flaschen. Gießen Sie in ein Glas, damit Sie sehen, was drin ist, oder nehmen Sie einen Becher mit Deckel und Trinkhalm. Wespen krabbeln unbemerkt in Dosen und dunkle Flaschenhälse.
  3. Hände und Gesichter abwischen – besonders bei Kindern – nach Obst und Eis. Zuckerreste auf der Haut sind der Grund, warum Wespen um eine Person kreisen.
  4. Teller und Gläser zügig abräumen, statt sie den ganzen Nachmittag stehen zu lassen.
  5. Die Mülltonne wegstellen. Ein geschlossener Deckel und ein paar Meter Abstand beseitigen den größten Wespenmagneten in den meisten Gärten.
  6. Eine Ablenkstelle ausprobieren. Ein Untersetzer mit überreifem Obst oder Marmelade, 5–10 Meter entfernt und möglichst in Windrichtung, kann Sammlerinnen vom Tisch weglocken. Das ist eher Hausmittel als geprüfte Methode, kostet aber nichts.
  7. Setzen Sie sich im September nicht unter einen Obstbaum oder neben blühenden Efeu – beides sind gut besuchte Wespenrestaurants.
  8. Sparsam mit süßem Parfüm und Haarspray in der Hochsaison, und prüfen Sie jedes Getränk vor dem Schluck.

Auf dem Balkon gilt dieselbe Logik, nur enger: Tisch, Mülleimer und Getränke stehen dort im Umkreis eines Meters. Die Lösung heißt Abstand und Deckel, nicht Chemie.

Hornissen sind ein anderes Thema

Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) sieht bedrohlich aus, interessiert sich für Ihren Tisch aber weit weniger als die gewöhnlichen Wespen. Sie jagt andere Insekten, fliegt in der Dämmerung und wird von beleuchteten Fenstern angezogen – so landet sie in Innenräumen. In Deutschland und Österreich ist sie außerdem besonders geschützt: Nester dürfen ohne Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde weder zerstört noch entfernt werden, und ein sachkundiger Imker oder Schädlingsbekämpfer kann ein wirklich störendes Nest umsiedeln. Die eingeschleppte Asiatische Hornisse (Vespa velutina), inzwischen in Teilen Frankreichs, Spaniens, Belgiens und Deutschlands etabliert, ist für Menschen auf Abstand nicht gefährlicher, richtet in Honigbienenvölkern aber erheblichen Schaden an – Sichtungen gehören in das offizielle Meldesystem und nicht in einen privaten Bekämpfungsversuch.

Wenn Sie doch gestochen werden

Gehen Sie ruhig weg, reinigen Sie die Stelle, kühlen Sie 10–20 Minuten und lagern Sie das Glied hoch, wenn es anschwillt. Eine Schwellung, die weit über die Einstichstelle hinausgeht und erst nach ein bis zwei Tagen ihren Höhepunkt erreicht, ist meist eine große Lokalreaktion und keine Allergie. Unser ausführlicher Ratgeber zu Wespenstich und Hornissenstich erklärt die Erste-Hilfe-Schritte und die Alarmzeichen einer Allergie – Schwellung im Gesicht oder Rachen, Atemnot, Schwindel oder Kreislaufkollaps –, bei denen Sie sofort den Notruf wählen. Ein Stich im Mund oder Rachen ist für sich genommen ein Notfall. Wenn Tage später Rötung und Wärme zunehmen, die Schmerzen stärker werden oder Eiter auftritt, steckt etwas anderes dahinter: Achten Sie auf die Anzeichen eines entzündeten Insektenstichs.

Wie incognito® hilft

Wir sagen es offen: Kein Mittel aus unserem Sortiment hält Wespen von Ihrem Kuchen fern, und keiner der zugelassenen Wirkstoffe für die Haut – DEET, Picaridin, IR3535 oder das pflanzliche PMD – ist für diesen Zweck geprüft. Wespen wollen sich nicht von Ihnen ernähren, deshalb greift der Repellent-Mechanismus hier gar nicht.

Helfen können wir danach – und bei den Insekten, die Sie am selben Tisch wirklich stechen. Zap-Ease ist ein chemiefreies Gerät, das einen leichten mechanischen Impuls auf die Haut abgibt und Stichen die Spitze nimmt; es wurde an der London School of Hygiene & Tropical Medicine klinisch getestet, war bei 96 % der Anwenderinnen und Anwender wirksam und ist für bis zu 1.000 Anwendungen oder fünf Jahre wiederverwendbar. Für Menschen mit Herzschrittmacher und für Kinder unter zwei Jahren ist es nicht geeignet, und es ersetzt bei einer allergischen Reaktion niemals ärztliche Hilfe. Gegen die Dämmerungsmücken, die auftauchen, sobald die Wespen zur Ruhe gekommen sind, arbeitet unser DEET-freies Insektenschutzspray mit PMD (Citrepel®) aus javanischer Citronella – klinisch belegt, vegan, biologisch abbaubar und gegen Mücken wie Zecken empfohlen.

Häufige Fragen

Warum sind Wespen im August und September so aufdringlich?
Weil das Volk keine Larven mehr aufzieht und den Arbeiterinnen damit das zuckerhaltige Sekret der Larven fehlt. Tausende erwachsene Wespen suchen dann Kohlenhydrate – Obst, Getränke, Kuchen und Mülltonnen –, genau wenn das Volk seine größte Stärke erreicht.

Werden Wespen im Spätsommer wirklich aggressiver?
Sie werden dreister und hartnäckiger, nicht wirklich aggressiver. Die Stiche nehmen vor allem zu, weil rund ums Essen mehr Wespen auf kurze Distanz unterwegs sind und eine Wespe schnell an Haut, Lippen oder Glas eingeklemmt wird.

Was tun, wenn eine Wespe auf mir landet?
Ruhig bleiben oder sie sanft mit Papier abstreifen. Nicht schlagen und nicht pusten – eine zerdrückte oder bedrohte Wespe setzt ein Alarmpheromon frei, das weitere anlockt, und Ihr Atem wirkt auf sie wie eine Bedrohung.

Wie kann ich Wespen beim Essen vertreiben?
Essen und Getränke abdecken, die Mülltonne schließen und wegstellen, Teller schnell abräumen und klebrige Hände abwischen. Ein Ablenkteller mit überreifem Obst einige Meter entfernt kann helfen. Repellents für die Haut wirken bei Wespen nicht.

Ist es gefährlich, draußen aus einer Dose zu trinken?
Das kann es sein. Wespen krabbeln unbemerkt in offene Dosen und dunkle Flaschen, und ein Stich im Mund oder Rachen kann so anschwellen, dass er die Atmung behindert. Gießen Sie Getränke in ein Glas oder nutzen Sie einen Becher mit Deckel.

Ist es verboten, ein Wespennest selbst zu entfernen?
Entfernen Sie es auf keinen Fall selbst – am Nest entstehen die schlimmsten Zwischenfälle mit vielen Stichen. In Deutschland und Österreich ist die Europäische Hornisse besonders geschützt, und ihr Nest darf nur mit behördlicher Genehmigung entfernt werden, in der Regel durch eine sachkundige Fachkraft.

Quellen

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und kein medizinischer Rat. Wenn bei Ihnen eine Insektengiftallergie bekannt ist, tragen Sie Ihren Adrenalin-Autoinjektor bei sich und befolgen Sie den Notfallplan Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes. Lesen Sie vor der Anwendung stets das Produktetikett.

Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.